Donnerstag, 1. März 2007

Prolog

Journal Eintrag 23/10/2485 – 02:


Ich habe meinen Bericht über die Kuma- Verhandlungen abgeschlossen und zusammen mit einem Stapel Sonderurlaubsanträgen für meine Crew vorausgeschickt. Der Clan kann zufrieden sein, die Verhandlungen verliefen bis auf einen kleinen Zwischenfall reibungslos und konnten in allen Punkten zu unseren Gunsten entschieden werden. Die Moral an Bord der Agitar ist gut und meine Besatzung hat sich ein paar Tage Urlaub redlich verdient. Das sollte kein Problem darstellen, da die Agitar für Wartungsarbeiten vorgesehen ist. D...


„Kleiner Zwischenfall?“ unterbrach Kira die Stille im Büro als er eine Tasse frischen wohlriechenden Tee auf dem Schreibtisch abstellte und es sich dann auf der Couch daneben bequem machte. „Danke und hat dir schon einmal jemand gesagt, dass deine Neugierde dich eines Tages umbringen wird?“ Athanar war leicht verärgert und ignorierte deshalb die Frage. Er mochte nicht gestört werden wenn er beim Schreiben war und hasste es wenn jemand über seine Schulter hinweg mit las. „Wir wurden beinahe raus geschmissen, das nenne ich nicht klein.“ Verteidigte sich Kira, er schien das eigentlich Problem zu übersehen. „Ein überfahrenes Schoßtier ist in meinen Augen nur ein kleines Problem. Im Gegensatz dazu ist ein KADETT, der einem vorgesetzten Offizier über die Schulter schaut, um in dessen Unterlagen zu schnüffeln, ein GROßES Problem. Nicht zu vergessen die erheblichen Verstöße des Kadetten gegen das militärische Protokoll im Umgang mit ranghöheren Offizieren.“ Diese Worte waren langsam, betont und scheinbar in vollem Ernst gesprochen worden, erzielten aber nicht die erwartete Wirkung. Im Gegenteil sie zauberten nur ein Lächeln auf Kiras Lippen, was schnell zu einem breiten Grinsen wurde.


„Das mag sein, solange niemand weiß das dieses Schoßtier, der Tochter eines Systemlords gehörte. Was den Rest betrifft, du wärst wütender auf mich wenn ich die Vorschriften einhalten würde. Abgesehen davon habe ich eine Erlaubnis dafür.“ Während Kira kicherte kam von Athanar nur ein Stöhnen als Antwort. Diese Runde hatte er wohl gewonnen, doch saß ihm gegenüber niemand der eine Niederlage eingestehen oder akzeptieren würde. „Das mag aus menschlicher Sicht zutreffen, aber die Clans folgen anderen Regeln. Auch ein Systemlord ist nur ein Mann und das letzte was er wollte war Ärger mit seiner Frau. Deshalb hatte er kurz den großen Mann gespielt, hätte unsere Verhandlungen aber niemals platzen lassen. So etwas hätte ihn nur in Schwierigkeiten mit seinem Clan gebracht, was deutlich mehr Probleme als ein paar Nächte auf der Couch bedeutet. So haben wir einfach nur mitgespielt, ein weiteres armes Haustier ins Unglück gestürzt und einen ausgesprochen dankbaren Familienvater auf Kuma zurückgelassen. Du siehst, du hast noch eine Menge zu lernen, mein junger Kadett.“ Funkelnde dunkelblaue Augen und ein breites Lächeln machten deutlich das damit die Diskussion beendet und wer der wirkliche Sieger dieser Runde war. Kira war dieser Anblick eine Niederlage alle mal wert, so gab er sich gerne geschlagen und nippte lieber an seinem eigenen Tee, bevor er das Thema wechselte: „Wir werden Catan bald erreichen. Heute noch etwas vor?“


„Nach Flugplan erreichen wir Catan in einer Stunde. Dann vermutlich noch ungefähr drei Stunden bis ich es geschafft habe, die Agitar ins Trockendock zu schicken. So bin ich eigentlich schon glücklich, wenn ich meine nächste Nachtruhe im eigenen Bett verbringe.“ War die nicht vielversprechende Antwort. Kira biss sich leicht auf die Innenseite seiner Lippe, damit er jetzt nichts falsches sagte. Dieser Wechsel war gründlich daneben gegangen. Das hätte er sich eigentlich denken können. Sie mochten beide wie Teenager aussehen und manchmal auch so handeln, doch gehörten diese dunklen stechenden Augen keinem siebzehn Jährigen wie er einer war, sondern einem der die Hundert bereits weit hinter sich gelassen hatte. Sie waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht und es war manchmal nicht nur für Kira selbst ein Rätsel, wie er es geschafft hatte, sich in das Leben des Anderen zu wurmen. Etwas das er in den zwei Jahren die sie sich kannten, nie bereut hatte und mit Sicherheit auch nie bereuen würde. Das Glück des Anderen lag ihm am Herzen und alles was er sich wünschte war diese oft so düsteren Augen in einem strahlenden himmelblau leuchten zu sehen. Zumindest hatte er gehört, dass sie diese Farbe hätten, sollte ihr Besitzer extrem glücklich, fröhlich sein.


Ihm war gerade etwas eingefallen wie er das Ruder noch einmal herum reißen könnte, doch bevor er etwas sagen konnte, ging ein gewaltiger Ruck durchs Raumschiff und die Lichter fielen aus. Sirenen schrillten und als die Notbeleuchtung sich einschaltete, war er allein im Büro, nur eine umgekippte Teetasse erinnerte noch daran, dass ein paar Sekunden zuvor jemand auf dem Stuhl am Schreibtisch gesessen hatte. Kira wunderte sich nicht weiter und machte sich auf den Weg zur Brücke wo Athanar bereits hingerannt sein musste. Bereits auf dem Weg normalisierte sich die Lage wieder, der Alarm wurde abgeschaltet und die Beleuchtung wechselte zurück auf Normal. Doch auf der Brücke stellte er mit entsetzen fest, das sein Freund nicht anwesend war.


Sie durchsuchten das gesamte Schiff ohne Erfolg. Als die Agitar Catan erreichte, war ihr Kommandeur nicht mehr an Bord und niemand konnte sich sein Verschwinden erklären.